Zweitzeugen gegen Diskriminierung

Zweitzeugen gegen Diskriminierung

„Ihr seid nicht dafür verantwortlich, was unter den Nationalsozialisten passiert ist“, spricht Eva Weyl zu den 104 Schülerinnen und Schülern der Karl Kisters Realschule. „Aber ihr seid dafür verantwortlich, was in der Gegenwart und Zukunft passiert!“

Die 84jährige Zeitzeugin berichtete am vergangenen Mittwoch von ihrer Kindheit im niederländischen Durchgangslager Westerbork, ein Lager aus dem 93 Deportationszüge in die Vernichtungslager Auschwitz oder Sobibor fuhren.

Ich komme immer gerne nach Kleve“, erzählt Eva Weyl, schließlich gehörte ihrem Vater das Kaufhaus Weyl, bis die Familie vor den Nationalsozialisten in die Niederlande emigrierten.
Die Schülerinnen und Schüler hören aufmerksam zu, während die ältere Dame mit der positiven Ausstrahlung von dem „schönen Schein“ im Lager Westerbork spricht. „Lagerkommandant Gemmeker hat ein Lager geführt, das sich komplett von den anderen Lagern unterschied. Alles sollte so wirken, als wolle man den Juden nichts Schlimmes antun. Die Kinder gingen sogar zur Schule und wenn man krank war, wurde man im Krankenhaus gepflegt“, weiß Eva Weyl zu berichten. Sie betont jedoch mehrfach: „Dies war nur, um die Menschen in falscher Sicherheit zu wiegen. Gemmeker konnte an einem Tag ein schwerkrankes Kind von Ärzten retten lassen, nur um es am nächsten Tag einem Todestransport zuzuordnen“.

Die Geschichte von Eva Weyl ist eine mit einem Happy End, wie sie immer wieder betont. Dreimal stand ihre Familie auf der Deportationsliste, dreimal wurden sie wie durch ein Wunder gerettet. Die Eltern schafften es, die Angst der Erwachsenen von ihr fern zu halten, so dass sie rückblickend von einer schönen Kindheit spricht.

Was treibt die herzliche Dame an, seit mehr als 10 Jahren immer wieder vor Schülern zu sprechen? „Werdet meine Zweitzeugen“, wiederholt Eva Weyl mehrmals und fordert die Jugendlichen auf, sich gegen Diskriminierung einzusetzen und alle Menschen gleich zu behandeln.