Nach einigen Tagen des gegenseitigen Kennenlernens wurde es endlich ernst für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Projekts Vélovoyage. Das große Abenteuer konnte beginnen. Gemeinsam machten sich 24 Schülerinnen und Schüler zusammen mit sieben Lehrkräften auf den Weg zu einer ganz besonderen Herausforderung. Das erste Etappenhighlight lautete, die Niederlande einmal komplett mit dem Fahrrad zu durchqueren. Von Kleve aus sollte es bis an die Nordseeküste und später weiter nach Frankreich gehen. Bereits die ersten vier Tage machten deutlich, dass diese Reise nicht nur sportlich anspruchsvoll werden würde, sondern vor allem von Teamgeist, Durchhaltevermögen und vielen besonderen Momenten geprägt sein sollte.

 Am vergangen Donnerstagmorgen startete die Gruppe bei bestem Wetter um 8.30 Uhr voller Vorfreude in Kleve. Die erste Etappe führte zunächst am Rhein entlang bis zur Fähre nach Millingen und anschließend weiter Richtung Arnhem. Unterwegs bot sich immer wieder ein Blick auf die typisch niederländische Landschaft mit Schafen, Schweinen, Kühen und sogar mehreren Störchen. In Arnhem zog dann der erste Regenschauer auf. Während ein Einkaufsteam für das Mittagspicknick sorgte, wartete der Rest der Gruppe im Park. Natürlich durfte auch diesmal der traditionelle Apéro mit Chips nicht fehlen. Am Nachmittag wartete mit dem Nationalpark Hoge Veluwe die erste echte Herausforderung. Hügelige Wege, starker Wind und immer wieder Regenschauer verlangten allen einiges ab. Gegen 15.30 Uhr erreichte die Gruppe schließlich den Campingplatz in Kootwijk, wo die Zelte glücklicherweise noch trocken aufgebaut werden konnten. Nach einem wohlverdienten Abendessen mit typisch niederländischen Pfannkuchen und Eis setzte ab 18 Uhr Dauerregen ein. Die gute Stimmung konnte das jedoch nicht trüben. Insgesamt standen an diesem ersten Tag bereits stolze 63 Kilometer auf dem Tacho.

Der Freitag begann deutlich weniger angenehm. Alle wachten in klammen und nassen Zelten auf. Zum Glück konnte das Frühstück in einem Aufenthaltsraum stattfinden. Bereits um 9.30 Uhr war alles wieder verstaut und die nächste Etappe begann. Der Weg führte zunächst durch den Wald und entwickelte sich schnell zu einer echten Geduldsprobe. Tiefe Pfützen, nasser Sand, schlammige Wege und kleine Hügel machten das Vorankommen anstrengend. Nach einer Mittagspause mit Picknick und dem inzwischen fest etablierten Chips Apéro ging es weiter durch die Provinz Flevoland entlang des Eemmeer. Die Landschaft zeigte sich von ihrer schönsten Seite mit Wasserflächen, beeindruckenden Wolkenformationen und Weite. Leider blies der Wind direkt entgegen und kostete die Gruppe viel Kraft. Umso größer war die Freude am Abend über den Campingplatz und das wohlverdiente Abendessen mit Tomatensuppe, Salat, Lasagne und Tiramisu.

 Auch der Samstag begann mit einem besonderen Moment. Nach bereits einem Geburtstagskind am Freitag stand erneut ein Geburtstagsfrühstück auf dem Programm. Mittlerweile entwickelte sich beim Aufstehen, Packen und Zeltabbau echte Routine. Schon um 6.45 Uhr waren viele Schülerinnen und Schüler wach und um 8.25 Uhr konnte die Gruppe starten. Regen blieb diesmal aus, doch dafür wartete erneut kräftiger Gegenwind. Ein besonderes Highlight war die Mittagspause direkt vor dem berühmten Rijksmuseum in Amsterdam. Vor der Weiterfahrt wurde die Gruppe aufgeteilt und noch einmal ausführlich über die Verkehrsregeln informiert. Anschließend ging es mitten hinein in das lebendige Zentrum der Hauptstadt zwischen unzähligen Fahrrädern und gefühlt halb Amsterdam. Ein beeindruckendes Erlebnis für alle Beteiligten. Am Nachmittag hieß es dann erneut kräftig in die Pedale treten. Der Wind machte die letzte Strecke besonders schwer. Trotzdem erreichte die Gruppe schließlich ihr großes Zwischenziel. Sie hatte die Niederlande tatsächlich einmal komplett vom Osten bis an die Westküste durchquert!!! Übernachtet wurde auf einem Campingplatz in den Dünen von IJmuiden. Beim gemeinsamen Abendessen in einem Strandrestaurant sorgten mexikanische Gerichte wie Burritos oder Burger und Churros als Nachtisch für gute Laune. Eine bewusst gemischte Sitzordnung brachte zusätzlich viele lustige Gespräche und neue Begegnungen innerhalb der Gruppe.

 Die Nacht auf Sonntag verlief äußerst stürmisch und ließ viele nur wenig schlafen. Am Morgen folgte dann die gute Nachricht. Der Wind hatte gedreht und kam nun aus Nordwesten, was endlich Rückenwind bedeutete. Um 7 Uhr begann der Tag und um 9 Uhr startete die Gruppe bei Sonnenschein auf einen wunderschönen Radweg bis nach Zandvoort. Für das Mittagessen wurde eingekauft und direkt am Strand gepicknickt. Allerdings musste das Essen gegen zahlreiche hungrige Möwen verteidigt werden. Dabei zeigte sich auch ein kleiner kulinarischer Unterschied zwischen den Nationen. Während die deutschen Teilnehmenden ihr Lieblingssandwich mit Brot, Hummus, Käse und Chips bevorzugten, ersetzten die französischen Teilnehmenden bei ihren Sandwiches den Hummus kurzerhand durch Mayonnaise. Von Zandvoort führte ein traumhafter rund 35 Kilometer langer Radweg durch die Dünen bis nach Wassenaar. Dank des Rückenwinds war die Gruppe bereits um 15.30 Uhr auf dem Campingplatz angekommen. Dort wurden die Zelte aufgebaut, geduscht und das Gepäck bereits für die nächste große Herausforderung vorbereitet. Beim Abendessen lief nebenbei das Deutschlandspiel und sorgte für Stimmung.

 Die nächste Herausforderung wartet bereits. Am Montag steht eine komplizierte Weiterreise bevor. Mit Gepäck und mehreren Umstiegen geht es ca. 5 Stunden per Zug in Richtung Frankreich. Nach diesen ersten vier Tagen ist jedoch klar geworden, dass diese Gruppe auch die kommenden Abenteuer gemeinsam meistern wird. Das große Reiseprojekt ist noch lange nicht vorbei. Die spannendsten Etappen liegen vielleicht sogar erst noch vor ihnen.

Ein herzlicher Dank an unsere engagierten Lehrkräfte, die dieses Projekt mit ihrem Engagement verwirklichen: insbesondere Isabelle Schröer und Steven Decorte sowie Maike Joeken für die Begleitung auf zwei Rädern. Dank auch an Oliver van Well, der als logistische Unterstützung extra mit dem Van aus Kleve angereist ist. Die Räder wurden nun im Van verstaut und nach Kleve gebracht. Ab Péruwelz geht es dann mit Leihrädern weiter. 

 

 

Zwölf Jugendliche aus Kleve (Jahrgangsstufen 7 bis 9) radeln ab dem 8. Juni gemeinsam mit zwölf französischen Schülerinnen und Schülern von der deutsch-niederländischen Grenze bis nach Nordfrankreich, rund 600 Kilometer auf Straße und Schienen durch drei Länder! Das Projekt wird gefördert durch NRW-Landesmittel (Europa-Schecks) des Ministers für Bundes- und Europaangelegenheiten (#europaschecks), Internationales sowie Medien und Chef der Staatskanzlei des Landes Nordrhein-Westfalen sowie unserem Hauptsponsor Erasmus+ und ist damit ein konkretes Beispiel, wie europäische Partnerschaft im Alltag junger Menschen ankommt.

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